Die leeren Phrasen der Klimaleugner

«Klimahysterie!», «Klimapropaganda!» – was Klimaforscher zu den häufigsten Argumenten von Skeptikern sagen.
Von Gabriela Dettwiler, 27.3.2019

Der Klimawandel ist umstritten. Nicht in der Wissenschaft, dafür aber umso mehr bei Teilen der Bevölkerung. Die Autorin hat die häufigsten Argumente der Klimawandel-Skeptiker gesammelt und zwei Klimaforschern vorgelegt.

Mit den «Fridays for Future»-Demonstrationen hat die Klimawandeldebatte weiter an Brisanz gewonnen. Skeptiker, Leugner sowie sogenannte «Warmisten» und Alarmisten geben sich in Kommentarspalten von Social-Media-Plattformen die Klinke in die Hand. Auch die NZZ stellt bei den Diskussionen auf Facebook und in den Leserdebatten fest, dass der Klimawandel immer noch viele Fragezeichen aufwirft. Die kontroversen Reaktionen auf den jüngsten Facebook-Post der NZZ zur Klimadebatte zeigen dies exemplarisch (siehe unten). Die Streitfragen sind meist dieselben. Die Argumente der Diskussionsteilnehmer allerdings auch.

Von beiden Seiten wird die NZZ mit Vorwürfen konfrontiert: Die Klimawandel-Skeptiker werfen uns Einseitigkeit vor; die Befürworter beklagen, dass wir eine Plattform für Falschinformation bieten. Zuerst sei hier festgehalten: Für uns ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut, weshalb wir auf unserer Facebook-Seite und in den Leserdebatten nur in Ausnahmefällen Kommentare löschen. Wir ziehen es vor, mit Argumenten, Hinweisen und Nachfragen zu reagieren. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, die häufigsten und beliebtesten Argumente der Klimawandel-Skeptiker zu sammeln und mit zwei unabhängigen Klimaforschern zu besprechen.

Argument 1: Es gab schon immer Warm- und Kaltzeiten.

Das weitaus häufigste Argumentationsmuster stellt den Klimawandel an sich zwar nicht infrage, entproblematisiert ihn allerdings. So sei der Klimawandel keine Erscheinung der Moderne, sondern ein schon immer da gewesenes Phänomen. Das Klima habe sich immer geändert, ändere sich gerade und werde sich auch immer weiter verändern. Wir befänden uns gegenwärtig lediglich in einer «ausklingenden kleinen Eiszeit». Tatsache?

Das sagt Prof. Nicolas Gruber: «Die heutige Erwärmung unterscheidet sich von vergangenen Erwärmungen in mindestens zwei entscheidenden Punkten. Erstens ist die Rate der Erwärmung um ein Mehrfaches höher, als sie dies zum Beispiel am Ende der letzten Eiszeit war. Das hat wichtige Konsequenzen, unter anderem für Pflanzen und Tiere, die sich nicht so rasch anpassen können. Während es am Ende der Eiszeit mehr als tausend Jahre dauerte, bis die Erde um ein Grad erwärmt war, geschah dies nun in hundert Jahren. Zweitens ist die heutige Erwärmung durch den Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre getrieben, während in der Vergangenheit die Erwärmung vor allem durch Veränderungen der Sonneneinstrahlung in Gang gesetzt wurde. Verantwortlich für den Anstieg der Treibhausgase ist der Mensch.»

Die heutige Erwärmung ist zweifellos durch den Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre getrieben.

Das sagt Prof. Stefan Brönnimann: «Das Klima hat sich auch in der Vergangenheit geändert, aber Tempo und Ausmass der Erwärmung sind seit 1970 völlig neu im Vergleich zu den letzten Jahrhunderten. So warm war es noch nie, und so schnell ging es noch nie. Am Ausklingen der Kleinen Eiszeit vor hundert Jahren war der Mensch bereits beteiligt – und heute ist er mit Abstand der stärkste Klimafaktor. Natürliche Faktoren gibt es immer noch. Diese kommen noch obendrauf, so dass wir auch in der Zukunft Phasen mit schnellerer und solche mit langsamerer Erwärmung haben werden.»

Im vergangenen Jahrhundert ist die Temperatur auf der Nordhalbkugel rasant gestiegen

Temperaturabweichungen* im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990, in Grad Celsius

* Basierend auf einer Rekonstruktion der Sommertemperaturen (Mai bis August) auf der Nordhalbkugel von 750 bis 2011 –  Quelle: Rob Wilson et al. / Science Direct – Grafik: brt.

Argument 2: Der Klimawandel ist nicht menschengemacht.

Klimaveränderungen an sich werden zwar nicht angezweifelt, allerdings ist man davon überzeugt, dass der Mensch nicht verantwortlich für den jetzigen Temperaturanstieg ist. Die Wissenschaft liefere keinerlei Beweise; «nur Projektionen, Mutmassungen und Hochrechnungen». Es sei lediglich der Hochmut von uns Menschen, der uns zur Annahme verleite, dass wir das Klima so stark beeinflussen könnten. Selbst der Weltklimarat IPCC – so die Behauptung – sage: Das Klima sei ein chaotisch ablaufender Prozess, den der Mensch nicht beeinflussen könne. Warum also die ganze Hysterie?

Das sagt Nicolas Gruber: «Der Weltklimarat schrieb im letzten Zustandsbericht: ‹Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig› und: ‹Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar›. Diese Aussagen basieren auf einer klaren Beweiskette, an deren Anfang die menschengemachten Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen liegen. Deren Anreicherung in der Atmosphäre führt zu einer Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane. Um nun aufzuzeigen, dass der Mensch hauptverantwortlich für die beobachtete Erwärmung ist, vergleichen wir mithilfe von Modellen den Beitrag der Erwärmung durch die Anreicherung der Treibhausgase gegenüber anderen Hypothesen wie Sonneneinstrahlung, Vulkanausbrüche und natürliche Klimavariabilität. Dabei zeigt sich mit mehr als 95 Prozent Sicherheit, dass nur der Anstieg der Treibhausgase die beobachtete Erwärmung erklären kann. Die anderen Beiträge sind zu klein.»

Während tatenlos darüber diskutiert wurde, ob wir nun zu 98 oder zu 99 Prozent sicher sind, hat uns die Realität überholt.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Die Wissenschaft hat schon in den achtziger Jahren Arbeiten vorgelegt, die zeigten, dass der globale Temperaturanstieg teilweise menschengemacht ist. Mitte der neunziger Jahre wurde der Nachweis definitiv erbracht. Seither konnte der Einfluss des Menschen immer detaillierter und für weitere Grössen wie zum Beispiel für Extremereignisse nachgewiesen werden. Seit den neunziger Jahren hat die globale Mitteltemperatur nochmals um über 0,4 Grad Celsius zugenommen. Während tatenlos darüber diskutiert wurde, ob wir nun zu 98 oder zu 99 Prozent sicher sind, hat uns die Realität überholt, und wertvolle Zeit ist verstrichen. Man wusste schon vor vierzig Jahren genug, um zu handeln.»

Weltweit schwinden die Gletscher. Massnahmen zum Schutz wie diese Planen gegen Sonneneinstrahlung auf dem Rhonegletscher helfen nur wenig. Das Schmelzwasser von Gletschern und Eisschilden trägt zum Anstieg des Meeresspiegel bei. (Bild: Peter Kaunzer / Keystone)

Argument 3: CO2 ist nicht für die Erderwärmung verantwortlich.

Überhaupt sei der CO2-Anteil in der Atmosphäre viel zu gering, um eine mögliche Ursache des Klimawandels zu sein. Vielmehr gebe es weitere Thesen, welche die Erderwärmung weit besser erklärten. Viele sehen die Schwankungen der Sonnenaktivität als Ursache für die Temperaturveränderungen, was wiederum einen CO2-Anstieg zur Folge habe. Dadurch wird das Ursache-Wirkung-Prinzip umgekehrt: Nicht das CO2 führe zu einem Temperaturanstieg, sondern der Temperaturanstieg zu mehr CO2.

Das sagt Nicolas Gruber: «Der Anstieg der CO2-Konzentration ist mit hundertprozentiger Sicherheit eine Konsequenz der Emissionen von CO2 durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern und die Abholzung der tropischen Wälder. Das lässt sich mithilfe von mindestens drei Beobachtungen beweisen. Erstens entspricht die Anreicherung in der Atmosphäre nur etwa der Hälfte der Emissionen. Die andere Hälfte wird von den Ozeanen und den Wäldern aufgenommen. Diese Anreicherung können wir mittlerweile auch in den Ozeanen nachweisen. Zweitens enthält fossiles CO2 kein radioaktives C-14 mehr. Das führt zu einer Abnahme des C-14-Verhältnisses im CO2-Anteil in der Atmosphäre, was wir sehr gut nachweisen können. Drittens hat das fossile CO2 auch ein sehr tiefes C-13/C-12-Verhältnis. Das führt zu einer Abnahme ebenjenes Verhältnisses in der Atmosphäre, was wir ebenfalls beobachtet haben.»

Ohne die 0,04% CO2 wäre die Erde vermutlich ein Eisball und 30 bis 35 Grad kälter als heute.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Der CO2 Anteil mag mit 0,04% gering sein, aber die Wirkung ist gross. Ohne diese 0,04% CO2 wäre die Erde vermutlich ein Eisball und 30 bis 35 Grad kälter als heute. Es ist also entscheidend, ob es 0,025% CO2 sind wie vor 150 Jahren oder 0,04% wie heute. Der Einfluss der Sonnenaktivität ist klein. Über die letzten dreissig Jahre hätte er allein zu einer Abkühlung – nicht einer Erwärmung – von 0,1 Grad Celsius geführt. Ein Temperaturanstieg führt tatsächlich mit jahrhundertelanger Verzögerung zu einem weiteren Anstieg des CO2. Das sind schlechte Neuigkeiten, denn das macht den menschengemachten CO2-Anstieg umso dauerhafter.»

Grafik: brt.

Argument 4: Extreme Wetterereignisse nehmen weder zu, noch sind sie ein Beleg für den Klimawandel.

Die letzten vier Jahre waren gemäss Uno die heissesten seit Beginn weltweiter Wetteraufzeichnungen. Von den Rekordwintern mit doppelten Schneemengen berichte allerdings niemand. So entstehe ein verzerrtes Bild mit lauter Superlativen: Der heisseste Sommer seit Jahren, der wärmste Februar seit Messbeginn, das trockenste Jahr der Weltgeschichte. Dabei reichten unsere Aufzeichnungen lediglich bis ins Jahr 1850 zurück. Davor habe es wahrscheinlich noch viel heissere Sommer gegeben. Überhaupt seien Wetterextreme nicht einmal ein Beleg für den Klimawandel.

Das sagt Nicolas Gruber: «Beobachtungen zeigen eine klare Zunahme von Hitzewellen und Starkniederschlägen. Dies ist konsistent mit den Erwartungen auf der Basis von Statistik und Physik. Wenn sich die mittlere Temperatur erhöht, dann nimmt automatisch die Häufigkeit von Hitzewellen zu. Das liegt daran, dass sich bei einer Zunahme der mittleren Temperatur auch die ganze statistische Verteilung verschiebt und sich damit auch deren Extreme verschieben. Starkniederschläge nehmen zu, da es bei höherer Temperatur mehr Energie im Klimasystem gibt und sich somit stärkere Niederschläge bilden können. Es gibt aber auch Extremereignisse, die keine statistisch signifikante Zunahme zeigen, wie zum Beispiel der Schneefall oder die Anzahl von Wirbelstürmen über den Weltmeeren.»

Wenn sich die mittlere Temperatur erhöht, dann nimmt automatisch die Häufigkeit von Hitzewellen zu.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Ein einzelnes Wetterextrem ist kein Beleg für den Klimawandel, aber viele zusammen sind es. Hitzewellen und Starkniederschläge nehmen erstens zu, und zweitens lassen sich diese wiederum auf die Zunahme von Treibhausgasen zurückführen. Aber das gilt nicht für alle Extremereignisse: Über Winterstürme lässt sich noch wenig aussagen, und Kälterekorde nehmen ab.»

Das Sommerhalbjahr 2018 war in der Schweiz das heisseste seit Messbeginn

Gemittelte Temperaturen und Niederschläge für die Periode April bis September

*Abweichung vom Mittelwert der Periode 1981–2010 –  Quelle: Meteo Schweiz – Grafik: NZZ Visuals

Argument 5: Der CO2-Ausstoss der Schweiz ist sowieso minimal.

Ein weiteres häufiges Argument gegen mehr Klimaschutz in der Schweiz ist, dass dies überhaupt nichts bringen würde. Der CO2-Ausstoss der Schweiz sei im Vergleich zu Supernationen wie den USA, China oder dem aufsteigenden Indien nämlich vernachlässigbar. Warum also überhaupt CO2 sparen?

Das sagt Nicolas Gruber: «Der direkte Pro-Kopf-Ausstoss von CO2 liegt in der Schweiz bei über 6 Tonnen pro Jahr. Wenn man noch die sogenannten grauen Emissionen, die aufgrund von Importen im Ausland entstehen, berücksichtigt, sind wir bei über 10 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr. Damit stehen wir international nicht gut da. Der mittlere CO2-Fussabdruck einer Weltbürgerin oder eines Weltbürgers beträgt weniger als 5 Tonnen, derjenige einer Inderin oder eines Inders nur 2 Tonnen. Und so oder so: Um das Klimaproblem zu lösen, müssen die weltweiten Emissionen bis zur zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf null gelangen. Das heisst: Alle müssen sparen. Es ergibt wohl Sinn, dass diejenigen vorausgehen, die in der Vergangenheit schon viel CO2 emittiert haben und auch die finanziellen Möglichkeiten für Anpassungen haben.»

Die Schweiz muss ihren Beitrag zur Lösung dieses globalen Problems leisten – wie alle anderen auch.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Die Schweiz muss ihren Beitrag zur Lösung dieses globalen Problems leisten – wie alle anderen auch. Unser Fussabdruck ist wegen unserer wirtschaftlichen Verflechtungen ausserdem grösser, als man es von der kleinen Schweiz erwarten würde. Zudem verfügt die Schweiz über Wohlstand, Know-how und Technologie. Wer, wenn nicht die Schweiz, kann CO2 sparen? Gleichzeitig können wir neue Technologien entwickeln, was eine grosse Chance für die Schweiz ist. Das ist aber nur meine persönliche Meinung, denn eigentlich ist dies Sache der Politik.»

Die Schweiz im Vergleich mit den fünf grössten Pro-Kopf-Emittenten und einigen der absolut grössten Emittenten (Saudiarabien, USA, Russland, China, Deutschland, Indien) – Quelle: Weltbank

Argument 6: Nicht einmal die Wissenschaft ist sich sicher.

Die einen sagen, dass es auch in der Wissenschaft grosse Zweifel am Klimawandel gebe. Der Eindruck eines Konsenses in der Forschergemeinschaft entstehe lediglich aufgrund der einseitigen Berichterstattung durch die Medien. Die Behauptung, 97 Prozent der Wissenschafter seien sich sicher, dass es den Klimawandel gebe, er menschengemacht und gefährlich sei, sei glatt erlogen. Die anderen gehen sogar noch weiter und behaupten, dass die Klimathese in der Wissenschaft eigentlich schon längst widerlegt sei – Politik und Gesellschaft hinkten einfach hinterher. In diesem Zusammenhang wird oft die Oregon-Petition genannt. Sie wurde 1998 als Reaktion auf das Kyoto-Protokoll ins Leben gerufen und seitdem von über 31 000 (selbsternannten) Wissenschaftern unterzeichnet. Ihre Überzeugung: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für den Treibhauseffekt.

Das sagt Nicolas Gruber: «Der Weltklimarat wurde seit Ende der achtziger Jahre fünfmal von allen Regierungen der Welt beauftragt, sie in Bezug auf den Zustand des Klimas und die Ursachen und Konsequenzen des Klimawandels zu beraten. Fünfmal kamen die besten Klimawissenschafter der Erde zum Schluss, dass der Klimawandel real ist und dass der Mensch hauptverantwortlich dafür ist. Mit jedem Zustandsbericht wurden die Aussagen klarer. Hinter dem Weltklimarat stehen Zehntausende von Autoren und Begutachtern mit ausgewiesener Kenntnis des Klimasystems. Zudem werden die Aussagen des Weltklimarates von Vertretern aus allen Nationen der Welt Wort für Wort begutachtet und dann im Konsens verabschiedet. Dem stehen Aussagen von wenigen Wissenschaftern gegenüber, die zudem oft aus anderen Gebieten stammen. So auch Dr. Robinson, der die Oregon-Petition kreierte, selbst aber Biochemiker ist. Diese Petition wurde mehrheitlich von Leuten unterzeichnet, die sich wissenschaftlich nie mit dem Klimasystem befasst haben.»

Es gibt wohl keine breiter abgestützte, transparentere und zehntausendfach überprüfte Forschung als diejenige zum menschengemachten Klimawandel.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Ich denke, es sind deutlich mehr als 97 Prozent, zumindest wenn man Klimaforschende im engeren Sinn betrachtet. Aber in der Öffentlichkeit entsteht ein verzerrtes Bild. Da sind die Medien mitschuldig:Die Argumente der Zweifler sind falsch, werden aber doch stetig wiederholt. Dabei gibt es wohl keine breiter abgestützte, transparentere und zehntausendfach überprüfte Forschung als diejenige zum menschengemachten Klimawandel.»

Die Temperaturen steigen

Abweichungen von der mittleren Temperatur des Zeitraums 1961–1990 (weltweit) in Grad Celsius

Wir haben die vorliegenden Daten in gleich grosse Intervalle eingeteilt. Nur das unterste Intervall ist kleiner, denn der grösste Wert ist 0,762, der kleinste –0,597. –  Quelle: Met Office Hadley Centre – Grafik: brt.

Argument 7: Die Wissenschaft lag auch schon beim Waldsterben falsch.

Einige sehen auch Parallelen zur Diskussion um das Waldsterben, welches die Schlagzeilen der achtziger Jahre dominierte. Auch damals wurde mit hohem Alarmismus eine Naturkatastrophe vorhergesagt, die allerdings nie eintraf – und auch die Wissenschaft ruderte zurück. Wiederholt sich vielleicht die Geschichte?

Das sagt Nicolas Gruber: «Die wichtigsten Aussagen der Klimaforscher in Bezug auf den Klimawandel sind bis jetzt allesamt eingetroffen. Die Analyse der Projektionen der Klimaforscher aus dem Zeitraum von 1970 bis etwa 2000 zeigt, dass die Rate der Erwärmung eher unterschätzt wurde: Der Meeresspiegel steigt stärker an als vorausgesagt, das Meereis in der Arktis verschwindet schneller als angenommen, und die grossen Eisschilde in Grönland und der Antarktis begannen früher abzuschmelzen als befürchtet. Der Grund für den Erfolg dieser Vorhersagen liegt in den physikalischen Grundlagen des Klimawandels. Die grundlegende Physik des Treibhauseffektes ist gut verstanden und auch die Grundlagen für die Veränderung in den Meeren sowie in der Arktis und der Antarktis.»

Unsere Luftqualität ist massiv besser geworden. Das bereut heute nun wirklich niemand.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Man hatte es damals mit einem sehr komplexen System zu tun, das man nicht gut genug kannte, aber das wegen des hohen Schadstoffeintrags möglicherweise vor schwerwiegenden Veränderungen stand. In dieser Situation sollte man sich an das Vorsorgeprinzip halten. Zum Glück hat man damals gehandelt; rasch und europaweit. Die Massnahmen haben gegriffen, und unsere Luftqualität ist massiv besser geworden. Das bereut heute nun wirklich niemand.»

Kohlenstoffdioxid-Emissionen aus fossilen Brennstoffen steigen deutlich an, und Atmosphäre, Pflanzen und Meere müssen immer mehr CO2 aufnehmen

Quelle: CDIAC – Grafik: brt.

Argument 8: Die Forscher lassen sich von der Politik instrumentalisieren.

Die Forschungsresultate werden auch grundsätzlich in ihrer Glaubwürdigkeit hinterfragt. Die Forscher sollen von der «Klimalobby» gut entlohnt werden, damit sie Forschungsresultate publizieren, die den Klimawandel bestätigen. Ganz nach dem Motto: «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing». Und sprängen die Wissenschafter nicht auf den Klimazug auf, müssten sie um ihren Job fürchten – so die Skeptiker. Auch die Klimajugend um Greta Thunberg folge kopflos der Klimaindustrie und betreibe auch noch gratis Lobbyarbeit für CO2-Steuern, mehr Verbote und eine «Umerziehung der Bevölkerung».

Das sagt Nicolas Gruber: «Aufgabe der Klimaforscherinnen und Klimaforscher ist es, möglichst wertfreie Analysen des Zustandes des Klimasystems zu machen. Als öffentlich finanzierte Forschungsgemeinschaft sind wir den Interessen der Gesellschaft verpflichtet – und nicht den Interessen irgendeiner Lobby. Da unsere Resultate und Studien öffentlich zugänglich sind und damit auch frei nachvollzogen werden können, werden wir einer ständigen Kontrolle unterzogen. Zudem sind die Erkenntnisse der Klimaforscher nicht neu. Die ersten grossen wissenschaftlichen Analysen zum Klimawandel wurden schon Ende der 1970er Jahre gemacht, als der Klimawandel noch gar kein politisches Thema war.»

Eigentlich sind es die Klimaforschenden, die allen Grund zu streiken hätten.

Das sagt Stefan Brönnimann: «Welche ‹Klimalobby›? Die Forschungsgelder stammen hierzulande fast ausschliesslich von der öffentlichen Hand. Wissenschaft funktioniert anders: Es gilt, zu hinterfragen, Neues zu entdecken. Ruhm erlangt, wer gängige Theorien widerlegt. Wäre der menschengemachte Klimawandel ein Fehlergebnis, hätte dieser Mechanismus längst zur Korrektur geführt. Aber solche Diskussionen, die nichts mit Wissenschaft zu tun haben, bremsen die Forschung. Warum müssen wir ständig wiederholen, was seit dreissig Jahren gesichertes Wissen ist? Brauchen wir wirklich den tausendundersten Beweis, nur weil manche die Tatsachen nicht wahrhaben wollen? Wir sollten endlich einen Schritt weitergehen. Eigentlich sind es die Klimaforschenden, die allen Grund zu streiken hätten.»

Die Wissenschaft wehrt sich gegen die Argumente der Klimawandel-Skeptiker

Der Wissenschaft sind die häufigsten Argumente der Klimawandel-Kritiker längst geläufig. Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz veröffentlichte bereits 2010 eine Publikation, welche die gängigsten Streitpunkte nach Mustern ordnet und sie mit wissenschaftlichen Fakten konfrontiert. Die Auseinandersetzung erschien in der Climate Press und kann online eingesehen werden.

Prof. Dr. Nicolas Gruber (links) ist seit 2006 Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich. Er ist Mitglied zahlreicher internationaler Forschungskuratorien, sitzt im Vorstand der Innovationsschmiede Climate-KIC und wirkt als Autor an Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mit.

Prof. Dr. Stefan Brönnimann (rechts) leitet seit 2010 die Gruppe für Klimatologie am Geographischen Institut und am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern. Ausserdem ist er unter anderem Mitglied der Schweizerischen Kommission für Atmosphärenchemie und -physik (ACP) und hat als Autor an Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mitgewirkt.

Autor: Roger Schuhmacher

Umweltschützer, Fan von neuen Wegen und gemeinsam erreichten Zielen

3 Kommentare zu „Die leeren Phrasen der Klimaleugner“

  1. Lieber Roger,
    vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Mittlerweile ist die Gesellschaft stark gespalten.Auf der einen Seite sind die, welche Einfluss des Menschen komplett leugnen und auf der anderen sind die, welche den Klimawandel zwar vom Menschen verstärkten Prozess sehen, aber allerdings nicht handeln. Nun gibt beginnt die junge Generation um Greta Thunberg für dieses komplexe Thema Aufmerksamkeit zu generieren, indem sie streiken. Statt den Umweltschutz ernster zu nehmen, wird jetzt über Schulpflicht diskutiert.
    https://haimart.wordpress.com/2019/04/05/zynismus-mit-zyankali/
    Was jetzt wichtig wird ist, dass wir alle verzichten müssen um die Katastrophe noch aufzuhalten, aber die wenigsten scheinen dafür bereit zu sein.

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  2. Es ist schon tagrisch, wenn Wissenschaft zur faktenfrien Religion wird und damit die Grundlage für Intoleranz und Diktatur legt. Da lobe ich mir die alte Religion, da glaubten ungebildete Menschen noch an Heilige mit alll ihren erbaulichen Geschichten.

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  3. Diese Aussage unter Argument 3 ist einfach nur falsch. Hier könnte man meinen CO2 ist das einzige Treibhausgas in der Atmosphäre, was NICHT der Fall ist:

    Ohne die 0,04% CO2 wäre die Erde vermutlich ein Eisball und 30 bis 35 Grad kälter als heute.

    Das sagt Stefan Brönnimann: «Der CO2 Anteil mag mit 0,04% gering sein, aber die Wirkung ist gross. Ohne diese 0,04% CO2 wäre die Erde vermutlich ein Eisball und 30 bis 35 Grad kälter als heute. Es ist also entscheidend, ob es 0,025% CO2 sind wie vor 150 Jahren oder 0,04% wie heute. Der Einfluss der Sonnenaktivität ist klein. Über die letzten dreissig Jahre hätte er allein zu einer Abkühlung – nicht einer Erwärmung – von 0,1 Grad Celsius geführt. Ein Temperaturanstieg führt tatsächlich mit jahrhundertelanger Verzögerung zu einem weiteren Anstieg des CO2. Das sind schlechte Neuigkeiten, denn das macht den menschengemachten CO2-Anstieg umso dauerhafter.»

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