Klimawandel oder Klimakatastrophe

… oder die sehr aktuelle Frage, wie die Wissenschaft über das wohl drängendste Problem unserer Zeit berichten sollen findet ihr in diesem bemerkenswerten Artikel des Tagi-Magazins:

Tuvalu und der Klimawandel

Wenn man nicht bereits Abonennt des Tages Anzeigers ist, kann man den Artikel für 2 Franken lesen. Sollte das als zu teuer erscheinen, möchte ich euch zwei Schlüsselstelle zitieren:

Um die Haltung der Bevölkerung zum Klimawandel zu beschreiben, nutzen Wissenschaftler oft folgende Kategorien:

  1. die Alarmierten (sie sind am lautesten, tun aber wenig);
  2. die beunruhigten Aktivisten (sind leiser, ändern aber ihr Leben);
  3. die Vorsichtigen (sind besorgt, aber nicht zu sehr);
  4. die Unbeteiligten (versuchen, die Debatte zu umgehen);
  5. die Zweifelnden und
  6. die Ablehnenden

Diese Unterteilung ist interessant, weil sie verschiedene Ansatzpunkte für Klimakommunikation bieten. Unbeteiligten fehlt es häufig an Basiswissen, während die Vorsichtigen vor allem motiviert werden müssen. «Es gibt nicht die Klimakommunikation», sagt Adrian Brügger, Verhaltensforscher an der Uni Bern. «Ich muss lokal verankerte Menschen anders ansprechen als viel reisende, global denkende.»
Klima-Rezeptionsforschung ist ein kompliziertes Feld. Der Zusammenhang von Bildern, ausgelösten Gefühlen und möglichen Folgehandlungen ist wenig erforscht. Auch weil sich beim Thema Klimawandel Fragen von Selbstwirksamkeit (Was kann ich tun? Und bringt das was?) und kollektiver Wirksamkeit (Wie bringe ich eine Gesellschaft dazu, etwas zu tun?) überlappen. «Menschen sind zum Handeln bereit, wenn sie sich von einem Problem betroffen fühlen und glauben, etwas dagegen tun zu können», sagt Brügger. Das funktioniere bei einem Thema wie Krebs, beim Klimawandel sei beides nur bedingt gegeben.

Nicht immer führen die gewählten Bilder zu den gewünschten Ergebnissen. Apokalyptische Bilder können Menschen das Gefühl vermitteln, man könne ohnehin nichts mehr tun. Bilder, die Hoffnung machen, können suggerieren, es müsste nichts mehr getan werden. Manche Bilder, die früher ein wichtiger Topos der Klimakommunikation waren, sind heute eher aus der Mode geraten – der traurige Eisbär auf dem schmelzenden Eis etwa. Menschen, die sich für Eisbären interessieren, sind meist ohnehin für den Klimawandel sensibilisiert. Heute versucht man es eher mit lokalen Bezügen: Was heisst der Klimawandel für die Schweiz, wo die Jahresdurchschnittstemperatur um zwei Grad gestiegen ist? Was bedeutet er für Zürich, für Berlin, für Wien? Und was für mich persönlich?

Wissenschaftler als auch Jurnalisten sollten Debatten abbilden und Unsicherheiten zulassen, aber den unbestrittenen Kern der Forschung unbestrittenen Kern sein lassen: «Die Erde hat sich seit 1900 weltweit um ein Grad Celsius erwärmt. Der menschliche Einfluss ist klar. Will man die Erwärmung beschränken, muss man die Emission von Treibhausgasen, vor allem CO2, reduzieren und auf null bringen.»

Und wir denken, dass genau hier auch wir als Alarmierte oder beunruhigte Aktivisten zum Tragen kommen: als klare, verbindliche aber nicht übertreibende Botschafter einer Entwicklung, die es zu erkennen und zu bekämpfen gilt. Jeden Tag, in jeder Begegnung.

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