Meine vierte Reise zu den Tibetern

von Harry

Schauspielunterricht am Tibetan Institute of Performing Arts (TIPA)

Von Mitte September bis Mitte Oktober bin ich zum vierten Mal nach Mc Leod Ganj/Indien gereist, um am Tibetan Institute of Performing Arts (TIPA) tibetische Künstler zu unterrichten. Diesmal wollte ich zum ersten Mal ein kleines Theaterstück inszenieren.

Von dieser intensiven Zeit möchte ich Euch berichten.

Die Künstler vom TIPA

Mc Leod Ganj liegt oberhalb von Dharamsala, hier ist die tibetische Exilregierung sowie seine Heiligkeit der Dalai Lama zu Hause. Es wird auch liebevoll „Dhasa“ genannt, die tibetische „Hauptstadt“ im Exil, als Anspielung auf „Lhasa“, der eigentlichen Hauptstadt Tibets.

Mein großer Dank gilt der Deutschen Tibethilfe, die den Workshop zum vierten Mal finanziell unterstützt und so überhaupt erst ermöglicht hat, sowie der Schwetzinger Tibethilfe. Bislang konnte ich immer einen weiteren Kollegen mitbringen, der ebenfalls unterrichtete. In diesem Jahr war es erstmals möglich, dass mich zwei Kollegen begleiteten: Monika Gossmann, mit der ich zusammen an der New York University Berlin unterrichte und Jean-Francois Brion, Schauspiellehrer am Conservatoire Royal de Bruxelles/Belgien. Die Zusammenarbeit mit Beiden war eine wunderbare Erfahrung.

Jeder von uns leitete eine Gruppe von 12-17 Künstlern.


Monika mit ihrer Gruppe. Aufdem Arm hat sie ihren Sohn Vincent. In der Mitte ist Tatjana. Sie hat Monika bei ihrer Arbeit unterstützt. (Foto von Tobias Mayer)


Jean-Francois mit seiner Gruppe (Foto von Tobias Mayer)


Die neue „Theatre Hall“

Das TIPA ist zurzeiteine große Baustelle. Das Theater ist vor ein paar Monaten abgerissen worden und nun wird eine neue, große, moderne „Theatre Hall“ errichtet. Es soll ein moderner Veranstaltungsaal mit 500 Plätzen werden. Dort werden nicht nur die Aufführungen des TIPA, sondern auch andere große Veranstaltungen stattfinden. Außerdem wird es große Probebühnen geben und Räume für die Verwaltung. Das Theater soll spätestens nächstes Jahr Ende Oktober eröffnet werden.


Die Baustelle mit rotem Teppich, vor der Grundsteinlegung (Foto von Tobias Mayer)


Ein paar Tage nach unserer Ankunft fand die große Feier zur Grundsteinlegung statt. Zuerst haben mehrere Mönche über einige Stunden eine Segnungszeremonie durchgeführt, dann hat der tibetische Präsident Lobsang Sangay mit der „goldenen Hacke“ den Grundstein geschlagen und die Festtafel eingeweiht. Anschließend haben wir alle gemeinsam, der Präsident eingeschlossen, getanzt und gesungen. Für mich war das ein ganz besonderer Moment. Wie wäre es, wenn Angela Merkel in Deutschland bei der Grundsteinlegung eines Theaters mittanzen würde.

Hier ein paar Impressionen von der Grundsteinlegung:


Lobsang Sangay und mehrere Mönche beim „Offering“ (Foto von Tobias Mayer)



Der tibetischePräsident Lobsang Sangay (in den Händen die „goldene Hacke“ 😊) im Moment der Grundsteinlegung (Foto von Tobias Mayer)



Chunney (einer der Senior Artists) mit der „goldenen Hacke“

 


Gemeinsamer Tanz nach der Grundsteinlegung


Workshop

In den vergangenen Jahren habe ich hauptsächlich schauspielerische Grundlagen und Improvisation unterrichtet. In diesem Jahr arbeiteten alle Gruppen mit Texten aus tibetischen und nepalesischen Kurzgeschichten. Das war für alle ein großer Schritt.

Ich habe mit meiner Gruppe ein Theaterstück inszeniert. Das war für mich etwas ganz Besonderes und ein wichtiger Meilenstein in meiner Zusammenarbeit mit den Tibetern.

Im Vorfeld meiner Reise habe ich die Kurzgeschichte „The Valley of the Black Foxes“, von Tsering Dondrup dramatisiert. Der Autor ist in Tibet geboren und lebt auch noch dort.

Die Geschichte handelt von einer tibetischen Nomadenfamilie, die von der chinesischen Regierung durch Anreize dazu verführt wird, all ihre Tiere zu verkaufen, das Nomadenleben aufzugeben und in ein sogenanntes „Resettlement Village“ zu ziehen. Auf dieseWeise geben die Nomaden ihre Lebensweise und ihre Kultur auf.

Diese „Resettlement Villages“ werden außerhalb von größeren Städten gebaut und bestehen aus ein paar hundert Häusern, die alle komplett gleich aussehen.


Resettlement Village


Die chinesische Regierung bietet den Nomaden diese Häuser umsonst an und zahlt ihnen auch noch eine Art Ausgleichsgeld. Sie lockt sie mit der Aussicht auf ein leichteres Leben. Durch den Verkauf der Tiere ist aber eine Rückkehr ins Nomadenleben quasi unmöglich. Vorher haben sie sich weitestgehend selbstversorgen können. Ohne Tiere müssen sie alles kaufen, d. h., sie brauchen für alles Geld. Jobs sind nur schwer zu finden. Oft gibt es nur stupide Arbeit in einer fernen Fabrik.

In unserer Geschichte sind die Nomaden der chinesischen Regierung zunächst unendlich dankbar. Zum Zeichen ihrer Dankbarkeit stellen sie auf den Familienaltar neben die Bilder ihrer Lamas auch Bilder von Mao Ze Tung, XiJinping und sogar von Stalin. Doch bald schon wird ihre Freude erschüttert. Beim ersten großen Regen stellt sich heraus, dass sich sämtliche Häuser der Siedlung beginnen aufzulösen, weil sie aus Lehm und nicht aus Zement gebaut sind. Später stürzen bei einem leichten Erdbeben alle Häuser im „Resettlement Village“ und die tibetische Schule ein und Dolkar, das jüngste Familienmitglied kommt dabei ums Leben. Die Häuser in der nahegelegenen Stadt, in denen die Chinesen wohnen,werden nur leicht beschädigt. Nach mehreren Schicksalsschlägen entscheidet sich die Nomadenfamilie, wieder in ihr fruchtbares, blumenreiches Tal zurückzukehren. Beim Anblick des Tals sind sie schockiert. Das gesamte Tal ist eine Kohlegrube geworden. Es gibt kein Tal mehr. Nur Förderbänder, Kräne und Lastwagen. Und sie begreifen, dass die Chinesen sie nur aus ihrem Tal lockten, um an die Bodenschätze zu kommen. Jetzt wird ihnen klar, warum alle Füchse in dem Tal schwarz sind.

Hier ein paar Eindrücke. Es sind Bilder von einer Probe und von der Aufführung:


Die Familie sieht zum erstenMal das „Resettlement Village“




Foto mit dem chinesischen Ortsvorsteher


Großvaters Tod



Die Großmutter wird aus den Trümmern des Hauses gerettet


(Foto von Tobias Mayer)

Das Stück beschreibt sehr genau, was zur Zeit in Tibet vor sich geht und wie die chinesische Regierung Schritt für Schritt die Nomaden aus der Steppe vertreibt. So kommen sie an die Rohstoffe heran und sie können die Menschen leichter kontrollieren. Gleichzeitig ist das Stück auch eine Metapher für die Zerstörung der gesamten tibetischen Kultur in Tibet.

Anmerkung: Nachdem die chinesische Regierung glaubt, die Tibeter einigermaßen unter Kontrolle zu haben geht sie seit einiger Zeit extrem hart gegen eine andere Minderheit in China vor, die Uiguren. Ungefähr eine Millionen Uiguren sind inzwischen in sogenannten „Umerziehungslagern“ interniert worden, darunter viele Kinder. Der Kontakt zu den Familien ist unterbrochen. Lange hatte China die Existenz sogenannter Umerziehungslager für Muslime in Xinjiang bestritten, im Oktober wurden sie dann per Gesetz nachträglich legalisiert. Damit ist die Inhaftierung Verdächtiger ohne Gerichtsverfahren erlaubt sowie „ideologische Erziehung gegen Extremismus, psychologische Behandlung und Verhaltenskorrekturen“. Das Vorgehen ist Teil der verschärften Staatskampagne gegen die Uiguren, die in dem ehemaligen Ostturkestan beheimatet sind. Die Welt schaut dabei zu und macht weiter mit China Geschäfte.


Der Applaus (Foto von Tobias Mayer)



Das Publikum (Foto von Tobias Mayer)

Wangdu Tsering, der Direktor des TIPA

Wangdu hört im Dezember auf, Direktor vom TIPA zu sein. Er wird in Zukunft einen hohen Posten im „HomeDepartement“ bekleiden. Das ist eins der wichtigsten Ministerien der tibetischen Exilregierung und kümmert sich um alle „tibetischen Settlements“ in Indien und Nepal. Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.

In seiner Amtszeit hat er viel für die Infrastruktur des TIPA getan. Er hat die Wasserversorgung komplett erneuert, er hat die Lebensbedingungen entscheidend verbessert, indem er ein neues „Girls Hostel“ hat errichten lassen und das „Boys Hostel“ um ein Stockwerk erhöht hat. Er hat die Administration an vielen Stellen umstrukturiert und er ist für den Neubau der „Theatre Hall“ verantwortlich.

Wangdu hat mich vor knapp vier Jahren ans TIPA geholt. Er ist mir in all der Zeit ein Freund geworden. Mit seinem Weggang wird sich etwas am TIPA ändern und ich bin gespannt, ob, wann und wie meine Arbeit dort weitergehen wird.

Wangdubetet in Triund (auf einer Wanderung in die Berge)

Begegnungen

Während meines Aufenthaltshatte ich wieder viele wundervolle Begegnungen. Einige davon möchte ich mit Euch teilen.

Dawa Dolma

Dawa Dolma ist Nonne im Tösam Ling Kloster, ungefähr 40 Minuten von Mc Leod Ganj entfernt. Ich habe sie in einem Schuhladen kennengelernt, wo sie sich rosafarbene Turnschuhe kaufte. Auf Grund ihrer Rückenprobleme hatte ihr Arzt ihr geraten, nicht immer nur Sandalen zu tragen. Eine Nonne mit farbigen Turnschuhen war ein ungewöhnlicher Anblick und Ausgangspunkt einer angeregten Unterhaltung. Beim Verabschieden lud sie mich ein, sie zu besuchen. So bin ich mit Kuzio und seinem achtjährigen Sohn Jannis,sowie Till und Daniel, dorthin gefahren. Kuzio hat die Musik für eine Inszenierungvon mir komponiert, dass im Juni in Regensburg Premiere hatte. Er hat uns nach Indien begleitet und hat sogar am TIPA Musik unterrichtet. Till und Daniel sind Studenten von der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und sind von Berlin, über den Iran und Pakistan, nach Indien getrampt und haben uns besucht (eine wahnsinnige Geschichte, die sie am besten selber erzählen sollten).

Zurück zu Dawa Dolma. Zum Kloster ging es eine halbe Stunde im Taxi, dann nochmal 10 Minuten zu Fußdurch die Reisfelder, vorbei an Bananenbäumen und Zitronengras. Es liegt abgelegen und ist wunderbar ruhig. Bei unserer Ankunft meditierte gerade eineGruppe westlicher Besucher im wunderschönen Klostergarten. Dawa Dolma unterrichtet die Besucher in Tibetisch. Zuerst hat sie uns in ihr Zimmer eingeladen und uns leckeren Tee gekocht. Sie hat uns von ihrem Leben erzählt. Mit 16 Jahren ist sie aus Tibet geflohen, über den Himalaya. Mit einer Gruppevon ca. 60 Personen war sie 2 Monate unterwegs. Manchmal haben sie sich verlaufen. Tagsüber haben sie geschlafen und nachts waren sie unterwegs, aus Angst vor den Chinesen. Ihre Familie, die sie seit ihrer Flucht nicht mehr gesehen hat, ist noch in Tibet, Kham. Sie leben als Bauern und Nomaden, haben einen Hof und Yaks und Schafe in der Steppe. Gerade hat sie ihr Examen abgelegt und wartet gespannt auf die Resultate. Allein die religiöse Grundausbildunghat 18 Jahre gedauert und jetzt hat sie nochmal 4 Jahre studiert, um ihr Examen abzulegen. Bald wird sie noch nach Nepal gehen, um dort mit besonderen Nonnenzu debattieren, als Prüfung. Wenn sie das gut macht, bekommt sie einen neuen Rang.

Sie scheint mir viel alleine zu sein. Morgens meditiert sie ab 5 Uhr, dann liest sie, lernt Texte auswendig und studiert. Meist unterrichtet sie tagsüber und lernt dann wieder weiter. Bei einem Rundgang durch das Kloster hat sie uns einen Unterrichtsraum gezeigt und ein wenig die tibetischen Schriftzeichen erklärt.

Später hat sie uns nochzum Bus begleitet. Auf dem Weg durch die Reisfelder hat sie sich plötzlich gebückt und einen kleinen Käfer vom Weg ins Grüne gesetzt, damit wir ihn nicht zertreten. Diese kleine Geste hat mich gerührt. Die Achtsamkeit für die kleinen Dinge ist wunderschön, davon kann ich lernen.

Lhakpa Tsering – Tibetischer Regisseur

Bei meiner Inszenierung hat mir Lhakpa als Co-Regisseur, Dramaturg, Übersetzer und Freund zur Seite gestanden. Ohne ihn wäre die Arbeit kaum möglich gewesen. Er ist, soweit ich weiß, der einzige tibetische Theaterregisseur im indischen Exil. Seit vielen Jahren verwirklicht er als Freiberufler immer wieder Theaterprojekte, inszeniert Stücke, die er meist selber geschrieben hat. Dabei versucht er immer wieder brisante Geschichten zu erzählen.

Er ist ein wunderbarer, leidenschaftlicher Theatermacher. Alles, was er macht, hat er sich selber beigebracht. Er hat zwar inzwischen einen Stamm von Theaterenthusiasten um sich herum versammelt, die immer wieder bei seinen Projekten mitmachen, dennoch organisiert er das Meiste alleine, was jedes Mal für ihn ein großer Kraftakt ist. Das ist großartig und wichtig für die tibetische Community. Ich würde gerne mal ein von ihm geschriebenes Stück zusammen mit ihm zu inszenieren.

Lhakpa ist in Tibet in einer Nomadenfamilie aufgewachsen, in einem Dorf, nahe der nordöstlichen indischen Grenze. Das Dorf liegt in einem Teil Chinas, den Indien auch heute noch für sich beansprucht. Deshalb lernen alle schon im Kindesalter, wie man mit Waffen umgeht und Bomben wirft, falls die indische Armee eines Tages einmarschiert.

Er ist bei seiner Mutter und seinem Stiefvater aufgewachsen. Der Stiefvater hat ihn immer geschlagen. Jeden Morgen ist er um 3 Uhr früh aufgestanden, um am Waldrand Gras für ihre Yaks, Ziegen und Schafe zu schneiden. Eines Morgens hat er alles stehen und liegen gelassen und ist alleine nach Indien geflohen, da war er 9 Jahre alt. 12 Stunden ist er zu Fuß gelaufen, dann war er in Indien. Seitdem hat er seine Familie nicht wiedergesehen. Weil er keine Papiere hatte, war es zunächst nicht einfach für ihn. Ich glaube, er war auch eine Zeit lang in einem indischen Gefängnis, als neunjähriger Junge. Nach einem Jahr gelangte er endlich nach Dharamsala, ins Tibetan Children Village (TCV) und konnte zur Schule gehen.

Dort begann er sich für Theater zu interessieren. Hier ist die Geschichte, die Lhakpa mir von seiner ersten Theaterrolle erzählte:

„Bei dem ersten Theaterstück, in dem ich mitspielte, bekam ich zunächst die Rolle der Palastwache. Eines Tages war der Junge, der den Minister spielte krank und so sollte ich an diesem Tag die Rolle übernehmen. Ich machte es so gut, dass ich die Rolle des Ministers bekam. Nun spielte ich den Minister so überzeugend,dass der Junge, der den König spielte blass dagegen wirkte. Da sagte die Lehrerin: „Der Minister kann ja nicht stärker als der König sein. Lhakpa, ich möchte, dass Du den König spielst.“ Mit einem breiten Grinsen sagte Lhakpa zumir: „Siehst Du, so bin ich in einer Woche von der Palastwache zum König aufgestiegen. Und ab da habe ich nur noch große Rollen bekommen.“

Er schreibt gerade ein Stück über die Kostbarkeit des Wassers. Als er nach Indien gekommen ist, hat er die vielen Plastikflaschen mit Wasser in den Läden gesehen und er hat sich gefragt, was da Besonderes drin ist, wenn man es in Flaschen füllt und überall verkauft. Als er es dann getrunken hat, hat er gedacht: „Was, das ist ja bloß Wasser. Wieso verlangt man Geld dafür? Wasser gibt es doch umsonst in jedem Fluss. In Tibet habe ich das Wasser aus dem Fluss geholt und nie etwas dafür bezahlt.“ Diese Geschichte ist der Ausgangspunkt von seinem neuen Theaterstück.

Ein anderes Theaterstück erzählt die Geschichte von einem jungen Tibeter, dessen Schwester sich aus Verzweiflung selbst verbrannt hat. Sie hat die seelische Folter in China nicht ausgehalten. In den Schulen wird der Dalai Lama als böser Wolf und Verbrecher dargestellt, aber sie liebt und verehrt ihn. Die tägliche Unterdrückung von Religion und Kultur hat sie nicht mehr ertragen. Wenn so etwas geschieht, wird normalerweise die gesamte Familie hart bestraft. Deshalb flieht er aus Angst vor Repressionen der chinesischen Polizei nach Indien. Er hat gehört, dass die Tibeter dort in Freiheit leben, ihre Religion frei leben können und die tibetische Kultur schützen. Im indischen Exil trifft er nun viele Tibeter und ist desillusioniert. Viele denken nur an sich selber, laufen dem Geld hinterher und sind nur an ihrer Karriere und ihrem Wohlstand interessiert. Der Erhalt der tibetischen Kultur interessiert sie kaum und sie wissendie Freiheit, die sie haben nicht zu schätzen und nicht zu nutzen. Er wird gebeten, eine Rede über die Zustände in Tibet zu halten. Er beginnt zu den Leuten zu sprechen und spricht dann nicht über Tibet, sondern über die Verantwortung der im Exil lebenden Tibeter:

 „Ich sollte über die Situation in Tibet sprechen. Darüber müssen Sie sich keine Sorgen machen, alle sind patriotische Tibeter. Aber als ich im Exil ankam, bekam ich Angst. Ich dachte, hier wird die tibetische Sache stark unterstützt, aber viele kümmern sich nicht darum und sind selbstsüchtig. Die Chinesen werden so keine Angst und keinen Respekt vor den Tibetern haben. Aber es ist nicht zu spät, sich zu vereinigen. Wenn wir und unsere Kultur überleben, dann wird Tibet eines Tages wieder frei sein – auch wenn es 1000 Jahre dauern sollte.“

Am Ende unseres Theaterstückeshört man den Lärm der Maschinen, die die Kohle im Tal der schwarzen Füchse abbauen. Die verbliebene Nomadenfamilie singt dagegen an, ein tibetisches Lied, das Lhakpa vorgeschlagen hat, mit dem Titel: „Phayul Di Nga tso tsang mey Rey“ „Dieses Vaterland gehört uns.“

Das TIPA mit seinen Künstlern und einige andere Freunde machen Mc Leod Ganj schon fast zu einer zweiten Heimat für mich. Ich frage mich, wie es für mich in Zukunft dort weitergeht. Im nächsten Jahr feiert das TIPA an mehreren Tagen seinen sechzigsten Geburtstag. Es gibt die Idee, „Das Tal der schwarzen Füchse“ an einem der Tage im neuen Theater aufzuführen. Das wäre wunderbar.

Über Rückmeldungen, Gedanken, Fragen aller Art freue ich mich von Herzen.

Liebe Grüße, Euer Harry


Wangdu, Jean-Francois, Kuzio und sein Sohn Jannis beim Aufhängen unserer Gebetsfahne in Triund


PS: Viele von den Fotos hat mein Berliner Freund und Nachbar Tobias gemacht, der mich auf dieser Reise begleitet hat.

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