Von Bächen und Pestiziden

Wenn wir als Kinder früher ein Bächlein stauten, mussten wir immer auch einen Abfluss einplanen. Der Versuch, das gesamte Wasser zu stauen – den Bach zum Stillstand zu bringen – scheiterte jedes Mal fulminant mit einer Überschwemmung und dem Zusammenbruch der gesamten Staumauer. Das Wasser liess sich nie komplett aufhalten.

Wenn ich dieses Bild aus früheren Zeiten auf die am 13. Juni zur Abstimmung gelangende Pestizid-Initiative umlege, tauchen viele Parallelen auf. Was ist seit diesen unbeschwerten Tagen unserer Kindheit geschehen? Viele unserer Gewässer sind chemisch überbelastet, unsere Landwirtinnen und Landwirte leiden an Krankheiten aufgrund ihrer Arbeit mit Pflanzenschutzmitteln (wir haben die Artikel über ihre unfruchtbareren Kinder gelesen), die Artenvielfalt nimmt ab, ein grosses Insektensterben ist im Gang.

Der Druck steigt, etwas zu ändern. Eigentlich spüren wir es alle: etwas ist im Fluss. Was aber machen die Gegner der Initiative? Sie versuchen, den Lauf der Dinge aufzuhalten. Mit ihrem «Nein» rufen sie uns zu: «Alles ist gut, haltet die Staumauer geschlossen, wir machen weiter wie bisher.» Und der Pegel in unserem Stausee steigt weiter.

Was hat uns der bisherige Weg (ausser den bereits oben genannten Problemen) denn noch gebracht? Die Verschuldung unserer Bauern pro Hektar Land steigt und steigt, die Branche hat eine überdurchschnittlich hohe Selbstmordrate, täglich verschwinden drei Landwirtschaftsbetriebe. ABER: wir Schweizer geben nur noch 6.4% unseres Einkommens für Lebensmittel aus – so wenig wie noch nie zuvor. Ein Fortschritt? Zu welchem Preis? Es entsteht der Eindruck, mit der Ablehnung der Initiative sollen nicht unsere Bauern, sondern unsere Geldbeutel geschont werden. Das ist es mir nicht wert.

Die Pestizid-Initiative ist jetzt die Gelegenheit, kontrolliert einen Wandel zuzulassen. Wir werden mit ihr nicht nur in unserem Land den Einsatz von synthetischen Pestiziden innerhalb der nächsten 8 Jahre beenden und damit die Gesundheit von uns allen schützen. Wir werden auch den Import von Pestizid-belasteten Lebensmitteln unterbinden und damit für gleich lange Spiesse im In- und Ausland sorgen. Lasst uns gemeinsam diese Chance nutzen!

Autor: Roger Schuhmacher

Umweltschützer, Fan von neuen Wegen und gemeinsam erreichten Zielen

2 Kommentare zu „Von Bächen und Pestiziden“

  1. Lieber Roger
    Glaubst du ernsthaft was du da schreibst?
    Glaubst du die Wasserqualität wird besser wenn nur in der Landwirtschaft die Pestizide verboten werden?
    Glaubst du wirklich ernsthaft, dass die Schweiz bestimmen kann wie im Ausland Lebensmittel produziert werden?
    Glaubst du wirklich, dass sich irgendwas verbessert, wenn die beiden Initiativen angenommen werden?
    Glaubst du tatsächlich, dass pauschal die Landwirtschaft an all dem schuldig ist, was der Landwirtschaft zurzeit pauschal vorgeworfen wird?
    Glaubst du das wirklich?

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    1. Ciao Urs
      Danke für deine Zeilen! Ja, das glaube ich absolut. Mit einigen Konkretisierungen: Die Initiative verbietet die Pestizide für alle Branchen und Anwender – auch Hobbygärtner, Golfplätze, Hauswarte, Verkehrsbetriebe etc.
      Keiner spezifischen Berufsgruppe wird hier ein schwarzer Peter zugeschoben, sondern die Produkte reglementiert. Und das gilt eben auch für die Substanzen, welche bei Importen miteingeführt würden. Da Lebensmittel nicht WTO-geregelt sind, ist das auch rechtlich möglich. Es wird nur importiert, was den neuen Regeln entspricht. Das andere bleibt draussen.

      Und: nein, ich erachte die Landwirtschaft als für gar nichts schuldig und verstehe diese Initiative als eine grosse Chance, unsere Nahrungsproduktion nicht nur nachhaltiger, sondern auch produzentenfreundlicher zu machen. Unsere Bauern sollen sich nicht weiterhin gefährlichen Substanzen aussetzen, nur für den Zweck, dass wir weiterhin rekordtiefe Preise fürs Essen bezahlen können. Sie liegen mir am Herzen.

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