Ja zur Kunststoffsammlung: Bonstetten hat entschieden!

Was ist geschehen?

Am 13. Dezember 2016 haben die Stimmberechtigten der Gemeinde Bonstetten einen wegweisenden Entscheid getroffen: In der Verordnung verankert ist künftig, dass auch Kunststofe durch die Gemeinde zu sammeln und dem Recycling zuzuführen sind. Dies, nachdem die jahrelang gut laufende Kunststoffsammlung in der Gemeinde per 1. Januar 2016 eingestellt worden war.

Dieser Entscheid wurde durch die Bürger in grosser Mehrheit – gegen den Willen des Gemeinderates – und nach einer Unterschriftensammlung sowie der Einreichung einer Einzel-Initiative (danke, Hans Wiesner!) gefällt. Es brauchte also einiges an Ausdauer, Kommunikation und Mutbürgertum. Hier der ausführliche Artikel zur Versammlung.

Kontra

Was waren die Argumente des Gemeinderates und einer Minderheit der Bürger?

  • Das Sammeln von Kunststoffen aus Privathaushalten lohne sich wegen der tiefen Recyclingquote nicht.
  • Zudem werde der Kuststoff zusammen mit dem übrigen Kehricht ja auch verwertet – und zwar thermisch in einer Abfallverbrennung.
  • Kunststoffrecycling funktioniere eigentlich nur bei Hohlkörpern (Flaschen), allem voran bei PET. Dies würden auch führende Amtstellen wie z.B. das AWEL Zürich (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) so empfehlen.

Hier auch die ablehnenden Ausführungen der Behörde und der Originaltext der Initiative.

Pro

In einem am Folgetag veröffentlichen umfangreichen Bericht des BAFU wird die Problematik der breiten Kunststoffsammlung grundlegend erörtert (inkl. nachfolgenden Projektberichten). Wer sich die gesamte Lektüre sparen möchte, erhält hier meinen persönlichen Killergrund für fläschendeckendes Kunststoffsammeln:

Kunststoff wird nach dem Sammeln sortiert. Nach dem Motto „die guten ins Töpfchen, die schlechten in Kröpfchen“ gelangen die sortenrein separierten Kunststoffe in die Wiederverwertung (oft werden daraus Kabelrohre für die Baubranche erstellt). Die nicht ausreichend reinen Mengen werden an Zementwerke verkauft. Diese verwenden den Plastik als Brennstoff für die Zementherstellung. Und jetzt kommt’s:

Für jede Tonne so verwerteten Kunststoff wird eine Tonne Kohle weniger in die Schweiz importiert und verbrannt.

Kohle wird von den Zementwerken aufgrund ihres sehr tiefen Preises verwendet. Und dafür teilweise von Australien oder Afrika zu uns in die Schweiz transportiert. Plastik brennt ähnlich gut wie Kohle und kann diese ersetzen. Ökologisch gesehen besteht gemäss Studien kein grosser Unterschied mehr zwischen 70% Recycling / 30% Verbrennung in einem Zementwerk oder einer Quote von z.B. 50% Recycling / 50% verbrennen. Beides ist klar besser als der aktuelle Status Quo.

In Kehrichtverbrennungswerken bringt der Kunststoff hingegen weniger: schweizweit weisen diese einen Wirkungsgrad von nur rund 40% (Wärme –> nutzbare Wärme) auf. Und wir importieren weiterhin Kohle.recycle-logo

Let’s recycle!

Autor: Roger Schuhmacher

Umweltschützer, Fan von neuen Wegen und gemeinsam erreichten Zielen

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